Unternehmenspräsentation: Langweilig beginnt mit dem Gründungsjahr

„Wir wurden 1987 gegründet, beschäftigen 123 Mitarbeitende und gehören zu den führenden Anbietern auf dem Gebiet der …“ Spätestens bei diesem Satz weiß ein Publikum, wie sich die nächsten zehn Minuten anhören werden: Es geht dann weiter mit Standorten, Geschäftsbereichen, Leistungsportfolio, Produktgruppen, Marktanteilen, Zertifizierungen … war da schon ein erstes Stöhnen? Einige scannen schon ihr Handy nach Spannenderem.

Wenn „alles Wichtige“ rein soll, wird’s öde

Schon komisch: Niemand erstellt eine Unternehmenspräsentation mit dem Ziel, garantiert absolut langweilig zu sein. Und trotzdem wird genau das erreicht. Warum?

Weil es während der Vorbereitung so läuft wie beim Kofferpacken für den Familienurlaub: „Was ist alles wichtig?“, wird gefragt. Und dann wird reingestopft, was jede Abteilung für nötig hält. Kein wichtiger Aspekt darf fehlen. Alle sind entlastet, alle haben beigetragen. Und ab geht’s damit auf die Bühne.

Aber das Publikum will keine Audio-Version der Unternehmensbroschüre. 

Es will unterhalten werden. Von einem, der das Unternehmen erlebbar macht. Wann, wenn nicht jetzt, soll eine Marke in den Köpfen und Herzen entstehen? Das Publikum – ob Investoren, Kunden, Stakeholder oder andere Interessierte – fragt sich in erster Linie: „Warum soll ich mich mit diesen Menschen näher beschäftigen?“

Chronologie ist noch keine Geschichte

„Gegründet 1987“, sagt zunächst nur, wann etwas begonnen hat. Interessanter wäre, warum es begonnen hat. Welches Problem war damals so drängend, dass jemand dafür ein Unternehmen gründen musste? Welche Überzeugung ist daraus entstanden? Was hat sich auf dem Weg verändert? Und woran arbeitet das Unternehmen heute, das damals noch gar nicht denkbar war?

Eine Unternehmensgeschichte wird erst dann zur Geschichte, wenn in ihr eine Suche, ein Konflikt oder eine Veränderung erkennbar wird. Die bloße Abfolge von Stationen ist dagegen nur eine Chronik. Sie mag für eine Unternehmensbroschüre genügen. Auf der Bühne erschlägt sie nur die Leute mit Jahreszahlen.

Ebenfalls wenig Zugkraft entfaltet die „Erfolgsgeschichte nach dem Muster“ „klein angefangen, stark gewachsen, heute Marktführer“, oder, wenn’s nicht dazu nicht gereicht hat, ist die Floskel „gehört zu den führenden“.

Unternehmen werden nicht glaubwürdig, indem sie nur die gelungenen Etappen erzählen. Ein alberner, aber menschlicher Fehler, eine folgenreiche Fehleinschätzung, eine plötzliche Krise und wie man auf all das reagiert hat – das sagt mehr über den Charakter eines Unternehmens aus als drei Folien voller Auszeichnungen. 

Storytelling ist hier das Mittel der Wahl. Doch wenn sich die wesentliche Geschichte noch nicht herauskristallisiert hat, wirkt so manche „Story“ wie ein Anzug, der nicht sitzt. In Österreich nennt man so jemanden einen „Gschichtldrucker“, zu deutsch: Er drückt einem eine hübsch zurechtgemachte, zweifelhafte Erzählung aufs Ohr.

Gefragt ist redaktionelle Feinarbeit: Nicht jede Anekdote eignet sich als Beleg, nicht jeder persönliche Einblick gehört in eine Präsentation und nicht jede vermeintliche Sensation ist für Außenstehende bedeutsam. 

Abstrakte Werte – Tiefkühlkost in Ihrer Präsentation

„Wir stehen für Qualität, Innovation, Nachhaltigkeit und Kundennähe.“

Und Bingo auf der Bullshit-Skala.

Wer wissen möchte, wie es in einem Unternehmen wirklich zugeht, möchte erfahren, wie sich diese Werte in einer Situation zeigen: Was passiert, wenn ein Kunde mit einer ungewöhnlichen Anforderung kommt? Wie wird über einen Fehler gesprochen? Wer durfte eine Idee einbringen? Worauf hat das Unternehmen bewusst verzichtet? Wem wird Anerkennung für ein gelungenes Projekt gegeben?

Das sind die vielen kleinen Geschichten, aus denen eine glaubwürdige Story entstehen kann. Das ist eine gute Nachricht: Wir müssen kein Heldenepos erfinden, wenn keins da ist. Die konkreten Momente, in denen zwischen Menschen Wert geschaffen wird, genügen vollauf.

Die passende Geschichte fehlt noch? Mein Angebot:

Im Vortragscoaching taste ich mich systematisch an die Story heran. Ich stelle Fragen. Oft an Stellen, an denen man selbst gar nicht mehr nachfragen würde. So entsteht eine Spur. Aus den konkreten Details arbeiten wir heraus, welche Geschichte Ihr Unternehmen glaubwürdig transportiert.

Eine Geschichte, die Ihrem Unternehmen jene Magie zum Strahlen bringt, die es bereits in sich trägt.

„Ja, wir bleiben im Kontakt.“

Menschen merken sich nicht das gesamte Leistungsspektrum eines Unternehmens, sondern wenige markante Momente.

Vielleicht, wie es mit einer ungewöhnlichen Idee ein hartnäckiges Problem gelöst hat. Vielleicht an eine Person, die offen über einen Fehler gesprochen hat. An einen Blick in die Zukunft, der nicht wie eine Werbephrase klang, sondern wie eine echte Frage, an der dieses Unternehmen gerade arbeitet.

Schön, wenn auf einer Präsentation gelacht und gestaunt wird. Aber sie muss nicht auf Biegen und Brechen unterhalten. Das ist eine gute Nachricht, für diejenigen, die sich nicht für begnadete Entertainer halten.

Aber sie sollte zeigen, was dieses Unternehmen ernst nimmt, worin es gut ist und warum es für andere relevant sein könnte.Dann verändert sich auch die Wirkung der Präsentation: Das Publikum lernt nicht nur von Weitem ein Unternehmen kennen. Es bekommt eine Vorstellung davon, wie eine Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen sein könnte.