Vortrag mit PowerPoint vorbereiten? Lieber nicht.

Wenn ein Vortrag ansteht, wird als Erstes PowerPoint geöffnet. Oder gleich Canva, Gamma und Co. An diesem Punkt entscheidet sich bereits, dass Sie weiter in der Folien-Ablese-Liga grundeln wollen. Wenn Ihre Keynote lieber einen Horizont öffnen, Ihr Fachvortrag begreifbar werden, Ihr Pitch überzeugen oder Ihre Rede berühren soll: Hier erfahren Sie, warum Folien-Tools der falsche Start sind und wie Sie anders besser loslegen.

PowerPoint beantwortet zu früh die falsche Frage

Die erste Folie ist schnell gebaut: Titel, Name, Datum. Dann eine zweite. Eine dritte. Nach zwei Stunden stehen schon 18 Folien auf dem Bildschirm. Ein Folienprogramm stellt die verführerische Frage: Was kommt als Nächstes? Die Antwort wird sofort in eine neue Folie gegossen. So entsteht im Handumdrehen eine Reihenfolge, bevor überhaupt geklärt ist, was Sie für Ihr Publikum überhaupt erreichen wollen. Sie gehen einfach irgendwohin los, mit einer vagen Zielvorstellung.

Wir sind das so gewohnt: Eine halbe Stunde vor dem Meeting „noch schnell eine Präsi fertig machen“, um dem Team irgendetwas mitzuteilen. Das funktioniert auch für den Hausgebrauch, hat aber mit einem professionellen Vortrag für eine größere Bühne nichts zu tun. 

Denn ein Vortrag ist keine Sammlung von Informationen in einer hübschen Abfolge. Er ist eine Entscheidung darüber, was dieses Publikum bei diesem Anlass verstehen, fühlen oder tun soll. Erst daraus ergibt sich, welche Gedanken überhaupt hineinmüssen und in welchem Spannungsverhältnis sie zueinander stehen.

Hier ist ausnahmsweise mal nicht der „Weg das Ziel“, sondern das Ziel der Weg. „Was kommt als Nächstes?“, bewirkt nur, dass Sie irgendwo landen. „Was will ich für mein Publikum tun?“, wäre die richtige, zielführende Frage. Profis denken zuerst darüber nach. Lange, gründlich, und lange, bevor sie die erste Folie füllen.

Sie mögen unbewusst meinen, Sie hätten das alles schon im Kopf: Ziel, Einstieg, Schluss, Kerngedanken, Überleitungen. Und nein, das haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Und selbst wenn, brächten Sie sich um die Notwendigkeit und den Genuss, Ihr Thema noch einmal frisch zu durchdringen und dramaturgisch zu gestalten.

Die Folien-Illusion: Man hat was – und doch nichts.

PowerPoint macht jeden Einfall gleich sichtbar. Für jede These gibt es eine Folie, für jedes Argument einen Stichpunkt, für jedes Beispiel ein Bild. Die Folien wachsen, während die Auswahl unsichtbar bleibt. Man hat das schöne Gefühl, voranzukommen, obwohl man nur Material in eine spontan entstandene Reihenfolge schiebt.

Besonders tückisch wird es, wenn das Deck zum Arbeitsprotokoll des eigenen Denkens wird. Dann dokumentiert jede Folie, was Ihnen zu Ihrem Thema eingefallen ist. Aber ist sie auch notwendig für den Vortrag? Oder nur: „auch interessant“? 

Die Folge kennen viele Fachleute: Der Vortrag wird länger und länger, doch die Linie verschwindet immer mehr im Nebel. Aber hey, es sieht doch so ordentlich aus! Und so gehaltvoll! An Folien lässt sich wunderbar sichtbar arbeiten. Man kann Überschriften verschieben, Farben ändern, Diagramme suchen und Formulierungen polieren. Das ist sieht nach echter Arbeit aus. Es ist aber nicht die Art von Arbeit, die Ihr Vortrag gerade braucht.

Ein Deck mit vierzig Folien ist noch keine Dramaturgie. Oft ist es nur ein Archiv ungelöster Entscheidungen.

Gerade gute Fachleute geraten hier leicht in die Falle. Sie wissen viel, sie wollen korrekt sein, und sie möchten dem Publikum nichts Wichtiges vorenthalten. Also bauen sie lieber noch eine Folie ein, statt eine Entscheidung zu treffen. Das Ergebnis ein Vortrag, der weder führt noch öffnet. Das Publikum hängt sich dann fast sichtbar ein Schild vor die Stirn: „Wegen Überfüllung geschlossen.“

Ein Vortrag entsteht nicht schön der Reihe nach

Vorträge werden nicht zwingend linear von Anfang bis Ende entwickelt. Ihr richtiger Anfang entsteht immer erst dann, nachdem der Schluss klar ist. Ein Beispiel verändert die These. Ein Einwand, der plötzlich auftaucht, nachdem man sich ein paar Minuten in sein Publikum hineinversetzt hat, offenbart: Mein ach so brillanter Hauptgedanke ist gar keiner.

Solche Veränderungen mögen anstrengend und chaotisch anmuten, aber gerade sie machen Ihren Vortrag sattelfest und einzigartig. Blöd nur, dass dann Ihre Folien zusammenstürzen wie ein Kartenhaus beim ersten Luftzug. Deshalb lieber erst gar nicht mit den Folien anfangen. Sie taugen nicht für die Arbeit mit komplexem Material.

Die Alternative könnten Karteikarten sein und ein Tisch. Beides ist physisch, und damit setzen Sie spürbar physische Dinge in Gang. Sie können eine Karte in die Hand nehmen, beschriften, herumschieben, aussortieren, gleich zerreißen, eine neue machen, und so weiter. Die Tischplatte gibt Geräusch und Widerstand. Das ganze Geschehen tanzt und bleibt dennoch übersichtlich. So lässt sich dieser nichtlineare Denk- und Arbeitsprozess besser aushalten. Auch das Ergebnis wird ein anderes sein.

Wenn Ihre Karteikarten-Strecke klar ist, schreiben Sie Ihren Vortrag einmal komplett durch. Zügig und mit allen „wunden Stellen“, die dann spürbar werden. Ausformulierte Gedanken zeigen, wo etwas noch behauptet statt begründet wird. Sie machen Widersprüche hörbar, bevor sie auf der Bühne peinlich werden. Und, ganz wichtig: Sie bringen damit ihre Redezeit unter Kontrolle. Achtzehn Folien können 13 Minuten dauern. Oder 43. Aber ein durchgeschriebener Vortrag prognostiziert Ihnen auf die Minute genau, wie lange Sie reden werden. Er macht auch sichtbar, wo Sie wertvolle Zeit mit zu vielen Einzelheiten verschwenden, und welche Punkte noch „hungern“. Kurz: Erst im Skript bekommen Sie Sicherheit im Timing und in den Proportionen Ihres Vortrags.

Dabei geht es nicht darum, einen Vortrag als Manuskript zu verfassen, um ihn später abzulesen. Es ist ein vorübergehendes Gerüst: eine Möglichkeit, den eigenen Gedanken so lange zu begegnen, bis man weiß, was man wirklich sagen will. Danach darf dieses Gerüst wieder verschwinden.

Folien schon da? Vortrag noch nicht erkennbar? Mein Angebot:

Hier schafft ein geschulter Blick von außen schnell Abhilfe: Mein Quick Check prüft Ihre Folien vorab. In den 90 Minuten Coaching geht es um die Entscheidungen hinter Ihrem Deck: Was muss dieser Vortrag bei diesem Publikum leisten? Welche Folien tragen dazu bei? Welche halten nur fest, dass eine Auswahl noch aussteht und verwässern Ihren Vortrag?

Ich lese mich vorab in Ihr Material ein und schaue mit Ihnen von außen auf das Ganze. Damit Sie nicht einfach weiter an Folien tüfteln, sondern umschwenken in die strategische und dramaturgische Gestaltung. Das macht mehr Spaß. Und es bringt mehr Sicherheit und Erfolg beim Auftritt.

Folien sind kein Spickzettel mit Design

Eine Folie sollte etwas liefern, was Ihre Stimme nicht so gut kann, zum Beispiel:

  • ein Verhältnis sichtbar machen 
  • einen Prozess übersichtlich darstellen 
  • einen Vergleich schärfen 
  • einen Ort zeigen 
  • ein Muster erkennbar machen
  • einen Gedanken sinnlich erfahrbar machen

Es ist also ein Job-Sharing zwischen Ihnen und Ihren Folien, mit unterschiedlichen Aufgaben. 

Folien sollten nicht gleichzeitig das wiederholen, was Sie gerade sagen.

Die Forschung zum multimedialen Lernen beschreibt, wie schädlich das ist: Wenn ein Publikum denselben Inhalt parallel lesen und hören soll, kann die doppelte Darbietung die Verarbeitung unnötig belasten. Dies vor allem dann der Fall, wenn der Text auf der Folie umfangreich ist, und wenn Folie und Vortrag um dieselbe Aufmerksamkeit konkurrieren.[1]

Daraus formulieren die besseren Hochschulleitfäden die pragmatische Konsequenz: Präsentationsfolien sind visuelle Hilfen, kein Skript. Die Erklärung gehört in die gesprochene Darstellung, die Folie soll das Verstehen unterstützen.[2]

Folien sollten das Sahnehäubchen sein, nicht der Kuchen 

Das bedeutet nicht, dass ein guter Vortrag ohne Folien auskommen soll. Es bedeutet: Die Folien dürfen nicht die Quelle Ihrer Sicherheit sein.

Sicherheit entsteht, wenn Sie die innere Route Ihres Vortrags kennen. Dann können Sie auf eine Reaktion eingehen, einen Satz anders formulieren, ein Beispiel auslassen oder eine Folie überspringen, ohne dass Ihnen der gesamte Foliensatz um die Ohren fliegt. Die Folien bleiben das, was sie sein sollten: ein zusätzlicher Kanal für das Publikum, nicht Ihr ausgelagerter Gedächtnisapparat.

Der entscheidende Test lautet deshalb nicht: „Sind alle Folien fertig?“ Sondern: Wissen Sie, warum jede einzelne Folie an dieser Stelle gebraucht wird? Und wissen Sie auch, was passieren würde, wenn sie fehlt?

Ein Vortrag beginnt mit der Entscheidung: Was ist hier wirklich wichtig – für diese Menschen, in diesem Raum, zu diesem Zeitpunkt? PowerPoint wird Ihnen diese Entscheidung nicht abnehmen.

Quellen

[1] Richard E. Mayer, The Cambridge Handbook of Multimedia LearningThe Redundancy Principle in Multimedia Learning; ergänzend: PowerPoint: avoiding the slide to damnation.

[2] University of Hull, Academic presentations: Slide designPowerPoint is a visual medium; its purpose is to help an audience visualise what the speaker is saying. Ergänzend zur inhaltlichen Vorarbeit: American Psychological Association, Presenting your research effectively.